Schwangerschaft & Geburt 

Tests die während der Schwangerschaft durchgeführt werden sollten

 2014-10-01

Eine Schwangerschaft ist ein wundersamer Umstand. Die Mutter in spe sollte die Schwangerschaftszeit bewusst angehen. Von Anfang bis Ende der Schwangerschaft sollten je nach Trimester unterschiedliche Tests und Untersuchungen gemacht werden. Es wird empfohlen einige Tests sogar vor der Schwangerschaft, wenn das Paar den Wunsch nach einem Kind hat, zu machen. Das Paar mit einem Kinderwunsch sollte sich vor der Schwangerschaft beraten lassen und sich sicher sein, das sie Mutter und Vater werden wollen. Einige Tests sollten in bestimmten Wochen der Schwangerschaft gemacht werden. Aus diesem Grund sollte die Schwangerschaft sehr gut verfolgt werden und die Termine der Tests nicht verpasst werden. Einige der Tests sind Routine und werden bei allen schwangeren Frauen durchgeführt und einige Tests nur in bestimmten Situationen.

Weiterhin sollten Sie regelmässig (bis zur 32ten Woche monatlich, zwischen der 32ten und 36ten Woche alle 15 Tage und ab der 36ten Woche wöchentlich) Ihre Ärztin/Ihren Arzt für eine Vorsorgeuntersuchung und Ultraschall aufsuchen.

 

Untersuchungen, die bei Ihrem ersten Termin durchgeführt werden:

Diese Tests werden bei dem ersten Arzttermin des Paares vorgenommen. Es wird empfohlen, den Arzt vor der Schwangerschaft (nachdem das Paar sich für ein Kind entschlossen hat) aufzusuchen und die Tests machen zu lassen, denn dann können durch diese Tests im Voraus mögliche Anomalien festgestellt werden und vor der Schwangerschaft Massnahmen ergriffen werden. Allerdings suchen die meisten Paare den Arzt erst nachdem sie schwanger (Ausbleiben der Periode) sind auf. Bei dem ersten Termin werden mittels einer gynäkologischen Untersuchung und Ultraschall die weiblichen Genitalorgane untersucht. Sollte in dem letzten Jahr kein Pap-Test gemacht worden sein, wird der Test bei diesem Termin gemacht. Es kann auch eine Generaluntersuchung vorgenommen werden und sollten generalisierte Krankheiten (Diabetes, Hypertonie, u.Ä.) vorhanden sein, sollte eine Konsultation durch den jeweiligen Facharzt in Anspruch genommen werden. Untersuchungen, die bei Ihrem ersten Termin durchgeführt werden:

Grosses Blutbild ( Hämogramm )

Blutgruppen der Eltern: Sollte Blutunverträglichkeit bestehen, können Massnahmen vorgenommen werden.

Bei Blutunverträglichkeit wird ein indirekter Coombs-Test durchgeführt.

Urinuntersuchung (falls nötig Harnkultur)

TSH: Sollte die Mutter an einer Schilddrüsenkrankheit leiden, kann diese Erkrankung das Fötus beeinflussen. Sollte eine Schilddrüsenerkrankung festgestellt werden, muss diese von einem Facharzt für Endokrinologie behandelt werden.

Toxoplasmose IgM und IgG: Ist ein Test, durch den Infektionen, die von Parasiten verursacht werden, die sich in Katzen- und Hundekot, rohem Fleisch und nicht ordentlich gewaschenem Gemüse befinden, festgestellt wird.

Rubella IgM - IgG: Ist ein Test, durch den festgestellt wird, ob eine Immunität gegen Röteln besteht oder ob eine akute Infektion vorhanden ist.

Für Hepatitis B, HBsAg: Wird bei der Mutter Hepatitis B festgestellt, wird das Neugeborene mit Hepatitis B Ig-Serum (Immunprophylaxe) behandelt, um eine Ansteckung zu verhindern.

HCV Test

HIV (AIDS) Test

Der VDRL-Test zur Bestimmung von Syphilis ist keine Routine, kann aber gemacht werden.

Der HbA1C Test wird bei Risikopatientinnen für Diabetes vorgenommen. Dieser Test erlaubt einen Rückschluss auf die Qualität der Blutzuckereinstellung in den letzten 3 Monaten.

Biochemische (Cholesterin, Nieren und Leber usw.) Tests

 

Zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche:

Ab der 11. Schwangerschaftswoche werden mittels einer Ultraschalluntersuchung folgende Messungen gemacht: Nackentransparenzmessung (NT), Scheitel-Steiss-Länge (CRL), Nasenbein (NB). Ausserdem wird eine biochemische Blutserumanalyse durchgeführt. Da beim Ersttrimester-Screening 2 Parameter untersucht werden wird es auch kombiniertes Screening genannt. Da dieses Screening ein Wahrscheinlichkeitstest ist, sollten bei Werten über den Normwerten umfangreichere Tests wie Amniozentese durchgeführt werden. Dieser Test sollte zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche gemacht werden. Nach der 14. Schwangerschaftswoche kann dieser Test nicht mehr gemacht werden.   

Seit etwa 10 bis 12 Monaten führen wir auch Pränatale Diagnostik durch, wodurch wir Chromosomenveränderungen feststellen können. Dieser Test wird ab der 9. Schwangerschaftswoche gemacht und da dieser Test nur mit dem Blut der Mutter gemacht wird ist er nicht-invasive. Bei diesem Test werden aus dem Blut der Mutter die DNA des Fötus extrahiert und auf Chromosomenveränderungen untersucht. Die Ergebnisse der Pränatalen Diagnose sind zu 98-99 % richtig. Das einzige Problem, warum dieser Test nicht sehr verbreitet ist, sind die Kosten.

 

Zwischen der 16. und 20. Schwangerschaftswoche:

In diesen Wochen wird der Triple oder Quadruple-Test durchgeführt.

Sollten das Ersttrimester-Screening, der Triple Test oder der Quadruple-Test Risiken aufweisen, sollte eine Amniozentese (unter Ultraschallkontrolle wird mit einer Hochnadel durch die Bachdecke aus der Fruchtblase Fruchtwasser entnommen) angewandt werden. Der Grund, warum eine Amniozentese nicht bei jeder Schwangeren gemacht wird, ist, das ein Risiko auf eine Fehlgeburt besteht.

 

Zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche:

Der orale Glukosetoleranztest (mit 75 gr. Glukose) wird zwischen der 24. Und 28. Woche gemacht. Bei Patientinnen, die diesen Termin verpassen wird der Blutzuckerspiegel überprüft, ob ein Risiko auf Gestationsdiabetes besteht.

Sollte eine Blutunverträglichkeit der Eltern bestehen, wird in der 28. Woche ein indirekter Coombs-Test (IDC) gemacht. Sollte dieser Test negativ ausfallen, hat die Blutunverträglichkeit der Eltern keine Auswirkung auf das Kind. Sollte der indirekte Coombs-Test allerdings positiv ausfallen, sollten weitere Tests gemacht werden, um zu erkennen in wie weit das Baby beeinträchtigt wird.

Die oben beschriebenen Tests werden bei fast allen schwangeren Frauen routinemässig durchgeführt. Je nach Verlauf der Schwangerschaft können ausser den oben beschriebenen Tests auch weitere angeordnet werden.

Zwischen der 34. und 36. Schwangerschaftswoche:

Blutbild und Urinuntersuchungen sollten wiederholt werden.

Sollte die Ärztin/der Arzt ab der 32. Woche Bedenken über den Zustand des Babys haben oder nur zur Vorsorge sollte ein biophysisches Profil erstellt werden. Dieses Profil besteht aus 5 Parametern. Davon werden 4 mittels Ultraschall gemacht und das fünfte ist ein Non-Stress-Test (NST). Durch den Non-Stress-Test wird der Stressfaktor des Babys im Bauch der Mutter bestimmt. Zur Unterstützung kann auch ein Doppler-Ultraschall gemacht werden. Bei dieser multiplen Untersuchung kann die werdende Mutter die Bewegungen ihres Babys sehen. Für eine gesunde Schwangerschaft sind regelmässige Untersuchungen, allgemeine Routine und persönliche Beobachtungen sehr wichtig.

Wir wünschen Ihnen ein stressfreie aber vorsichtige Schwangerschaft.

 

Vergessen Sie nie, das ernste Probleme bei Mutter und Baby meistens bei Schwangerschaften auftreten, bei denen keine Voruntersuchungen gemacht wurden.

 

Dr. med. A.Refik KELEŞ

Facharzt für Chirurgie, Gynäkologie und Geburtsspezialist / IRENBE